#4: von ZEIT zu ZEITEN


Editorial:

GOTT ist durch, der ZUGANG wurde gelegt, dann ließ Kay-Lee AUSTEILEN. Die Zeit ist reif für den nächsten Schritt. VON ZEIT ZU ZEITEN.

Wie kommt man von einer Zeit zur anderen, von einem Zeitpunkt zum nächsten? Zwischen zwei Punkten ist schließlich immer eine Lücke und ein Schritt übergeht diese Lücke nur. Eine Uhr macht nicht lückenlos TickTack. Sie macht Tick und tack, tick___tack, tick………..tack, tick tack. Hört man genau hin, kann man die Lücken in der Zeit sehen.

Eine Lücke ist ein Zwischenraum, eine fehlende Verbindung, ein Abgrund. Gleichzeitig markiert die Lücke den Wechsel und ist vielleicht selbst der Übergang. Wie viel Lücke ist nötig, damit eine Zeit versinkt? Wie groß müssen die Lücken werden, dass daraus neue Zeiten hervorquellen können? Und was genau passiert dort in den Lücken?

Kay-Lee ist unschlüssig. Sie sitzt am Rand einer tiefen Lücke und schaut hinunter auf die Zeit. Die liegt träge da und wiegt sich unbeholfen von links nach rechts. Kay-Lee weiß nicht so recht, wie sie mit der Zeit anfangen soll. Sie kramt ihr Fernglas hervor und lehnt sich vorsichtig über den Rand, um genauer hin zu sehen. Was sie sieht, macht sie stutzig und sie notiert sich: 1. Die Zeit liegt gar nicht – sie fließt. Aber wohin?

Ein Ufer, an dem sie die Strömung festmachen könnte, ist nirgends zu erkennen. Zum Test wirft sie ein paar alte Zeitschriften hinein. Manche davon springen willkürlich wie Wasserläufer an der Oberfläche herum, andere plätschern gemächlich in verschiedene Richtungen davon, manche gehen unter ohne Staub aufzuwirbeln und wieder andere schlagen kleine Wellen. Das ist komisch und Kay-Lee notiert: 2. die Zeit hat keine festgelegte Richtung. Die Sachen darin fließen im eigenen Tempo.

Nach einiger Zeit sind alle Zeitschriften aus Kay-Lees Blickfeld verschwunden und nur ein paar weiter werdende Kreise deuten noch darauf hin, dass hier was in die Zeit gefallen ist. Sie sitzt da, grübelt, schaut. Und ganz langsam, wirklich unfassbar langsam, quasi kaum zu bemerken langsam verändert sich das Bild unter ihr. Kay-Lee ist beeindruckt und notiert sich: 3. Die Zeit verändert sich mit dem, was man in sie rein wirft.

Neugierig geworden wirft sie weitere Gepäckstücke hinein: die veganen Wurstbrote, einen Küchentisch, einen Fisch. Der Fluss schluckt alles, sieht aber jedesmal ein Tick anders aus. Schnell fliegen auch Fotoapparat, Fernglas und natürlich ihre Uhr, die eh nur stockend lief und weswegen sie immer zu spät kam, hinterher. Das Ganze nimmt Fahrt auf, jetzt sind auch die schweren Sachen dran: ihre Gewissheiten und Erinnerungen an früher, die alten Ideale, ihre Ängste von morgen und sogar die Hälfte ihrer Hoffnungen. Unten fängt es immer mehr zu brodeln an. Schlammwolken reißen das Bild auf und aus den Lücken schwappen Wellen. Eine davon schwappt hoch bis zu ihren Füßen.

Ein ganz schönes Chaos breitet sich da aus. Die Zeit wirkt hektisch, irgendwie aufgewühlt. Bei dem Anblick wird Kay-Lee mulmig. War sie das oder war die Zeit schon immer so im Stress zwischen sich aus- und ablösenden Krisenzeiten? Und wenn ja, wie geht man damit um? Nicht so genau hinsehen und das Geschehen geschehen lassen? Weiter stoisch an das „Märchen von den guten alten Zeiten“ glauben und störrisch darauf hoffen, dass sich alles irgendwann beruhigt? Oder mit Mut zur Lücke den Zwischenraum betreten und neue Verbindungen finden?

Bei dem letzten Gedanken kitzeln Kay-Lees Füße. Zu lange saß sie hier, hat der Zeit nur zugeschaut und gegrübelt wohin der nächste Schritt führt. Sie kramt ihren Mut und ihre Gummiente hervor, notiert sich eilig noch: 4. Angst yok! und wagt den Schritt in die Lücke. Das ist ihr Umgang: Ein Anfang. Von Zeit zu Zeiten muss man anfangen. Irgendwie, irgendwo, nur nicht irgendwann. Dann fällt sie und taucht ein.

In diesem Sinne: Stürzt mit durch Raum und Zeit, Richtung Unendlichkeit!